Fragen an Mama: 50 Fragen über ihr Leben

Was kann ich Mama fragen, damit ich mehr über ihr Leben erfahre als die Geschichten, die ich schon kenne?

Du kennst deine Mutter dein ganzes Leben lang. Trotzdem weißt du erstaunlich wenig über die Frau, die sie war, bevor es dich gab. Ein paar Geschichten werden bei jedem Familienfest wieder erzählt, der Rest ist eine Lücke, die dir oft erst auffällt, wenn du selbst so alt bist wie sie damals.

Wer nach „Fragen an Mama“ sucht, findet vor allem Listen mit 100 Fragen wie „Was ist deine Lieblingsfarbe?“ oder „Welches Tier wärst du gern?“. Die sind nett für einen Spieleabend. Über ihr Leben erfährst du damit wenig. Die 50 Fragen unten gehen in eine andere Richtung: Sie fragen nach Orten, Menschen und einzelnen Momenten, und unter jeder Gruppe steht eine Nachfrage, die aus einer kurzen Antwort eine Geschichte macht.

Du musst nicht alle stellen. Such dir die aus, bei denen du selbst neugierig wirst.

Warum Fragen an Mama anders sind

Mit Mama ist es leichter und gleichzeitig schwerer als mit jedem anderen Menschen. Leichter, weil du nichts erklären musst. Schwerer, weil ihr eingespielte Rollen habt. Sie ist es gewohnt, nach dir zu fragen, nicht umgekehrt. Viele Mütter antworten auf „Wie war das bei dir?“ zuerst mit einer Gegenfrage oder mit einem Satz über die Kinder.

Drei Dinge helfen:

Frag nach etwas Kleinem. „Wie war deine Kindheit?“ ist zu groß. „Wer hat bei euch morgens das Frühstück gemacht?“ lässt sich sofort beantworten, und die Antwort führt fast immer weiter.

Sag, warum du fragst. Ein Satz reicht: „Mir ist aufgefallen, dass ich gar nicht weiß, wie du mit zwanzig gelebt hast.“ So klingt die Frage nicht nach Verhör, sondern nach Interesse, und das ist sie ja auch.

Hol das Gespräch zu ihr zurück. Wenn es zu dir oder den Enkeln wandert, lenk freundlich um: „Und wie war das bei dir, als du in meinem Alter warst?“

Kindheit und Elternhaus

  1. Was ist deine früheste Erinnerung?
  2. Wie sah die Wohnung oder das Haus aus, in dem du aufgewachsen bist?
  3. Wer hat bei euch was im Haushalt gemacht?
  4. Was hast du als Mädchen am liebsten gespielt, und mit wem?
  5. Wie war deine Mutter, als du klein warst? Und dein Vater?
  6. Was durftest du nicht, was deine Freundinnen durften?
  7. Wofür hast du als Kind gespart?
  8. Gab es einen Ort, an den du dich zurückgezogen hast, wenn du allein sein wolltest?

So wird eine Geschichte daraus: Frag nach den Sinnen. „Wie hat es da gerochen?“ holt Bilder zurück, an die man mit „Wie war das?“ nicht herankommt. Und wenn sie von ihrer eigenen Mutter erzählt, bleib dort. Über deine Oma erfährst du so oft mehr, als die Oma selbst je erzählt hat.

Schule, Jugend und erste Freiheit

  1. Welches Fach mochtest du, und welches konntest du nicht ausstehen?
  2. Welche Lehrerin oder welcher Lehrer ist dir bis heute im Kopf geblieben?
  3. Wer war deine beste Freundin, und was habt ihr zusammen angestellt?
  4. Welche Musik lief bei dir, und wo hast du sie gehört?
  5. Was war das erste Kleidungsstück, das du dir selbst ausgesucht hast?
  6. Wann bist du zum ersten Mal ohne deine Eltern verreist?
  7. Was wolltest du werden, als du sechzehn warst?

So wird eine Geschichte daraus: Frag nach der anderen Person. „Und was ist aus ihr geworden?“ Jugendgeschichten handeln fast immer von jemand anderem. Lass dir die Namen sagen. Die kann später niemand mehr nachschlagen.

Ausbildung, Arbeit und das erste eigene Geld

  1. Was war deine erste Arbeit, und wie bist du daran gekommen?
  2. Was hast du mit deinem ersten Lohn gemacht?
  3. Hast du den Beruf gelernt, den du wolltest? Wenn nicht, was kam dazwischen?
  4. Wer hat dir bei der Arbeit etwas beigebracht, das du nie vergessen hast?
  5. Gab es eine Stelle, die du gern behalten hättest?
  6. Wie hast du Arbeit und Familie unter einen Hut gebracht, und wer hat geholfen?
  7. Worauf bist du in deinem Berufsleben stolz?

So wird eine Geschichte daraus: „Erzähl mir einen ganz normalen Arbeitstag, vom Aufstehen an.“ Viele Mütter reden über ihre Arbeit kleiner, als sie war. Ein einziger Tag, Schritt für Schritt erzählt, zeigt, wie viel sie getragen hat, ohne dass es jemand aussprechen muss.

Liebe und das Leben vor den Kindern

  1. Wie hast du Papa kennengelernt? Oder: Wer war deine erste große Liebe?
  2. Was hast du beim ersten Treffen gedacht?
  3. Wo habt ihr gewohnt, als ihr zusammengezogen seid, und wie sah es da aus?
  4. Wie war eure Hochzeit, und was ist an dem Tag schiefgegangen?
  5. Was habt ihr am Wochenende gemacht, bevor es Kinder gab?
  6. Wovon hast du damals geträumt?

So wird eine Geschichte daraus: „Woran hast du gemerkt, dass es ernst ist?“ bringt mehr als jede Frage nach dem Datum. Wenn die Beziehung zu deinem Vater schwierig war oder nicht gehalten hat, lass ihr die Wahl, wie viel sie erzählt. Ein ruhiges „Wir müssen nicht darüber reden“ öffnet oft mehr als jedes Nachbohren.

Mutter werden

  1. Wie hast du erfahren, dass du schwanger bist, und wem hast du es zuerst erzählt?
  2. Wie war der Tag, an dem ich geboren wurde?
  3. Warum habt ihr meinen Namen ausgesucht, und welche Namen standen noch zur Wahl?
  4. Was hat dich am Muttersein überrascht?
  5. Was war mit uns Kindern am schwersten?
  6. Welche Regel aus deiner eigenen Kindheit wolltest du auf keinen Fall übernehmen?
  7. Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?
  8. Was hast du dir für uns gewünscht?

So wird eine Geschichte daraus: „Und wie ging es dir dabei?“ Mütter erzählen von dieser Zeit oft aus der Sicht der Kinder: wann du laufen konntest, was du gern gegessen hast. Frag gezielt nach ihr selbst. Viele werden danach zum ersten Mal gefragt.

Familie, Feste und was weitergegeben wird

  1. Wie lief bei euch Weihnachten ab, als du klein warst?
  2. Welches Gericht hast du von deiner Mutter gelernt?
  3. Welches Rezept sollte in der Familie auf keinen Fall verloren gehen?
  4. Gab es Verwandte, über die man nicht gesprochen hat?
  5. Welcher Spruch deiner Eltern ist dir bis heute im Ohr?
  6. Welche Gegenstände in deiner Wohnung haben eine Geschichte?

So wird eine Geschichte daraus: „Kannst du mir das zeigen?“ Ein Rezept beim Kochen, ein Foto aus der Schublade, eine Brosche aus der Schmuckschatulle. Mit etwas in der Hand erzählt es sich leichter.

Was sie über das Leben gelernt hat

  1. Was weißt du heute, das du mit dreißig gern gewusst hättest?
  2. Worüber hast du dir umsonst Sorgen gemacht?
  3. Wann warst du am glücklichsten?
  4. Wer hat dir geholfen, als es schwer war?
  5. Was hast du dich getraut, das dir andere nicht zugetraut haben?
  6. Was möchtest du noch machen oder sehen?
  7. Was sollte man über dich wissen, das kaum jemand weiß?
  8. Was möchtest du deinen Enkeln mitgeben?

So wird eine Geschichte daraus: „Wann hast du das gemerkt?“ Eine Lebensweisheit ohne Geschichte bleibt ein Spruch. Mit der Situation dazu wird sie etwas, das du weitererzählen kannst.

Wie und wo du die Fragen stellst

Am Telefon funktioniert es besser, als viele denken. Ohne Blickkontakt erzählen manche freier. Eine Frage pro Anruf reicht völlig, und „Ich hab da noch eine Frage an dich“ wird schnell zu einem kleinen Ritual zwischen euch.

Beim Besuch hilft eine gemeinsame Beschäftigung: kochen, Fotos sortieren, spazieren gehen. Nebeneinander redet es sich leichter als gegenüber am Tisch.

Wenn du die Antworten behalten willst, frag, ob du mit dem Handy aufnehmen darfst, und schreib am selben Abend die besten Stellen auf. Wie aus solchen Notizen später eine zusammenhängende Geschichte wird, steht in unserem Leitfaden zum Lebensgeschichte aufschreiben.

Mit Vätern läuft es oft anders, weil viele knapper antworten. Dafür gibt es eine eigene Liste mit Fragen an Papa und Tipps gegen Ein-Satz-Antworten. Und wenn du auch die Großeltern noch fragen kannst: Die Fragen an Oma und Opa gehen eine Generation weiter zurück.

Die Fragen als Buch verschenken

Manche Mütter schreiben lieber selbst, in Ruhe und ohne Publikum. Dann kannst du die Fragen verschenken, statt sie zu stellen.

Die einfachste Fassung ist ein schönes Notizbuch, in das du vorne zehn Fragen aus dieser Liste schreibst, eine pro Seite. Das kostet wenig und ist ganz persönlich. Es gibt auch fertige Ausfüllbücher, zum Beispiel die „erzähl mal“-Reihe von Elma van Vliet, zu der „Oma, erzähl mal“ gehört.

Wir haben dafür unser eigenes Erinnerungsbuch „Erzähl mir dein Leben“ gemacht: 58 Fragen in 8 Kapiteln auf 178 Seiten, im Format 21 x 28 cm, mit großer Schrift und viel Platz zum Schreiben. Bei Amazon.de kostet es gebunden 22,99 € und als Taschenbuch 16,99 €. Welche Form du wählst, ist weniger wichtig, als dass das Buch nicht leer im Regal steht. Es hilft, ab und zu nachzufragen, an welcher Seite sie gerade schreibt.

Fang mit einer Frage an

Du brauchst keinen Anlass und keinen Plan. Such dir eine Frage aus, die dich wirklich interessiert, und stell sie beim nächsten Anruf. Wenn Mama dann bei etwas ganz anderem landet und du eine Geschichte hörst, die du noch nie gehört hast, hat die Frage ihren Zweck erfüllt.